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Kaffee, persönlich – Oben in den Bergen

Wir fuhren zu mehreren in einem Kleinbus hoch, und so richtig verstanden haben wir das erst mit der Zeit. Es hatte offenkundig ein Zerwürfnis gegeben zwischen den Kooperativen auf den Bergen und den Leuten im Tal – klar war nur, dass die „Berggeistlichen“, die also oben mit den Bauern arbeiteten, sich „unten“ nicht mehr richtig aufgehoben fühlten, und ebenso wenig die Bauern. Mit uns fuhren also mehrere Projektleiter sowie ein netter älterer Herr, offenkundig ein sakraler Würdenträger, der sich die Sorgen der Kooperativen anhörte. Das gab uns die einmalige und wunderbare Gelegenheit, zwei Kooperativen in ihren Büros zu treffen, und direkt dort aus eigenem Mund von ihren Sorgen zu hören. Die Fahrt von etwa 2 Stunden bergauf führt über einige kleinere Orte nach Majoval. Man fährt weit, weiter als die schmale Angabe „2 Stunden“ erwarten lässt. Denn man verlässt den einen Planeten und betritt den nächsten. Die Fahrt selbst geht vor allem höher und höher – wenn ich mich richtig erinnere, ist der Höhenzug etwa 1000 bis 1600 m hoch, ist also den Alpen in gewisser Hinsicht vergleichbar – aber im Unterschied zu den Alpen dicht bewachsen mit einer Art Regenwald, wie ich ihn noch nicht kannte. Zugleich dicht und licht – genauer lässt es sich nicht schildern. Die Dörfer – wobei ich der Einfachheit halber die Ansammlungen von Hütten, die man überall sieht, auch Dörfer nenne, und nicht nur die Haufen fester Häuser, die es auch hier und da gibt – also, diese Hüttendörfer liegen an den verwegensten Stellen, sehr steil, sehr unzugänglich, und oft fragt man sich, warum denn überhaupt an dieser Stelle Menschen wohnen müssen. Was natürlich eine heikle Frage ist. Denn zum Einen tun sie es nun mal – und es geht schlechterdings nicht, und ist eine häufige Gefahr, in so eine Art Gutmenschen-Kolonialismus zu verfallen, der dann den Unterschichtlern von den Bergen mit dem westlichen Überwissen schon wieder vorschreibt, was richtig und was falsch ist. Und zum Anderen werden sie schon ihre Gründe haben, und alles, was man unterstützt, kann man zunächst nur in der Form unterstützen, wie man es vorfindet. Oder man geht eben nicht hin. Denn der Prozeß der Zusammenarbeit ist ganz langsam – was vor allem auch die in unserem Sinne „gebildeten“ Menschen vor Ort immer wieder bestätigen. Und die Strukturen sind eingefahren und immer wieder gewalttätig. In einem kleinen Ort stand auf einem großen Parkplatz einer dieser mexikanischen Riesenlaster, schon über die Hälfte beladen mit Kaffeesäcken – wir sahen den Arbeitsplatz eines Coyoten. Die heißen wirklich so, und sind die niederste Stufe des Kaffeekolonialismus: Die regionalen Aufkäufer der Kaffee-Ernte. In Wahrheit sind sie hier die Herren der Welt. Sie sind gut vernetzt, kennen oft auch die Aufkäufer der Konzerne persönlich, und haben jedes Interesse daran, an den herrschenden Strukturen wenig zu ändern. Ein ganz banaler Trick ist immer noch en vogue: Die Coyoten bringen ihre eigenen Waagen mit, und lassen als Handlungsunterlage nur die Wäge-Ergebnisse ihrer Waagen zu – das ist doch wirklich mittelalterlich. Da die Coyotens als reich gelten, sind sie oft gut gesichert – was bedeutet: Waffen sind irgendwie überall, und Macheten trägt ja sowieso jeder. Als Westler steht man entgeistert vor einer schlimmen Kombination von Macht, Geld und Waffen. Und – da gibt es kein Pardon – vor dem Gefühl, mehr der Erkenntnis, dass wir das Ganze ja auch noch bezahlen, ohne dass es uns einer gesagt hätte. Das System funktioniert in etwa so: Der Indiobauer erntet seine Bohnen, notwendigerweise nur einmal im Jahr, und muß dann sehen, dass er mit dem Geld, was er für diese Ernte erzielt, übers Jahr kommt. Das ist bauernüblich, wenig bemitleidenswert, damit sind Bauern in ganz Europa immer wieder reich geworden. Was hier unüblich ist, sind zwei Momente: Den Indios wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach das Land gestohlen, und bei mehreren Reformen immer wieder zurückgegeben, aber irgendwie halbherzig, nämlich quasi zu einer Art kommunalem Niessbrauch. Daraus folgt, dass der individuelle Kaffeebauer kein Land hat, mit dem er Kredite besichern könnte – und das heißt, das er keine bekommt, außer nämlich vom Coyoten. Mit der Konsequenz, dass er in eine Art Dauerschuldverhältnis eintritt und damit bei der nächsten Ernte auf den gebotenen Preis des Coyoten eingehen muß, der natürlich so bemessen ist, dass die Zinsen des Darlehens sowie weitere Lasten die Beziehung mathematisch bis in alle Ewigkeit verlängern. Was aber im Grunde fast egal ist, weil diese fruchtbare Beziehung auch auf andere Weise abgesichert wird. Denn der Kaffeebauer erreicht seinen eigentlichen Markt gar nicht. In engem Zusammenspiel verhindern Coyoten und Militär, dass ein individueller Indio seinen Kaffee irgendwo anders als in direkter Umgebung seines Erntegebiets veräußern kann. Denn direkt hinter dieser Grenze beginnen die Herren der Welt – das sind in dem Fall wir alle –, damit Geld zu verdienen. Auf diesem Handlungs-Hintergrund sprechen die Coyoten ihre Preise untereinander ab, was zu den bedrückenden Zuständen führt, welche wir dann teilweise gesehen haben. Es ist kein Wunder, dass in diesem Umfeld von bitterer Armut, direktester Ausbeutung, vergleichsweise großem Reichtum (der Coyoten), sowie durch die intensiv spürbare Besitz- und Perspektivlosigkeit vieler Individuen Gewalt entsteht. Bei mir selbst – nachdem ich das gesehen habe – entstünde sie ebenfalls, spätestens nach dem Tod des ersten Kindes, weil man damit nämlich nicht in die nächste Klinik kommt. Und die „Zapatista“, die gelegentlich in ihren Augen unerträglich gewordene Personen zu ermorden versuchen, führen ihrerseits wieder zu einer enormen Präsenz von Militär in diesen Bergen, die im Grunde eher den Coyoten hilft. Und so leben in diesen nebligen, nassen, hohen Bergen alle, Bauern und Soldaten, in großem Elend nebeneinander her und haben etwas gegeneinander, voneinander und miteinander. Der direkteste Vorteil besteht nach Aussage von kirchlichen Besuchern darin, dass das Militär die Bergwege überhaupt erst zu den Strassen gemacht hat, auf denen wir gefahren sind – weil sie es leid waren, bei jedem Einsatz da oben derart durchgeschüttelt zu werden. Es ist auf jeden Fall ohne Weiteres möglich, hier oben einen Kaffee in der Gesellschaft schön geölter und regenglänzender Maschinenpistolen zu trinken – gehe ich alleine nach meiner Erfahrung, ist es leichter als das Gegenteil. In diesem Umfeld begannen vor einigen Jahren (auf jeden Fall schon vor mehr als 10 Jahren, sodaß man die Entwicklung auch schon beurteilen kann) einige Menschen, oft auf Anregung oder unter dem Schutz der Kirche, die hier noch einiges zu sagen hat, diese Strukturen zu unterlaufen. Oft nicht ganz ungefährlich, denn wo es um soviel Geld geht, wird gerne auch zu Mitteln gegriffen, die auf unseren Strassen nicht mehr so gebräuchlich sind. Hieraus entstanden einige lokale Organisationen, die den Kaffee von den Bergen an den Coyoten vorbei in die Ebenen zur Weiterverarbeitung brachten, und es begann auch die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wie fair trade, Max Havelaar und anderen. Das Problem waren zunächst die Indios selbst, denn das Sprichwort „Wat der Bur nit kennt, dat fritt er nit“ gilt auch hier. Und nachdem die Bergbauern nach einigen Jahren dann verstanden hatten, wie das System funktioniert, und dass es auch dann zuverlässig und belastbar ist, wenn es nicht über die regional bekannten Coyoten läuft, wollten die Dörfer und Koops derart ungeordnet hinein, dass das fair-trade-System seinerseits an Grenzen stieß. Weshalb fair-trade und andere Organisationen praktische Zugangsbeschränkungen einbauten, was von der Konsequenz her im Grunde die Installation eines zweiten Monopols bedeutete. Und das wiederum eröffnete kleineren Organisationen, so auch unserem Röster Klaus, den kaufmännisch wie menschlich sinnvollen Zugang zu kleineren Kooperativen, mit denen jetzt auch wir von hier aus zusammen arbeiten können, um dort das Leben zu verbessern. Und am Leben da oben lässt sich einiges verbessern. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber für mich besteht ein echtes seelisches Problem darin, dass ich Elend nicht richtig erkenne – bzw. erst, wenn es mich anspringt. Ein Beispiel: Dadurch, dass der Bauer nicht in richtigen Lumpen herumläuft, die ich in meiner vernagelten Art als „arm“ erkennen könnte, sondern z.B. in Trainingshosen und Sportjacken, nimmt meine naive Seele nur den Anschein war – und der ist in Ordnung. Sonst könnte und müsste ich mich ja in jeder Straßenbahn entsetzlich aufregen. Doch der liebe Gott hatte ein Einsehen, und hat es ermöglicht, dass das Elend mich ansprang. Niemand hat mich darauf vorbereitet, dass die Menschen in diesem nassen Klima in Bretterhütten leben, die auf Lehmboden gebaut sind – hierauf schlafen sie auf Matten. Die Hütten sind wie Ställe gebaut, einzelne Verschläge sind voneinander getrennt, die nachts mit Matten ganz voneinander trennbar sind. Es gilt schon als Fortschritt – und es ist ein Fortschritt, der oft nur in Verbindung mit anderen Verkaufsstrukturen möglich ist –, wenn die Hütten Betonboden bekommen, um die schlimmste Nässe außen vor zu lassen. Es gibt an der Kirche eine kleine Schule, die oft nicht bespielt wird – denn die Lehrer wohnen in der Ebene, bekommen ihr Honorar vom Stadt, aber wenn sie nicht nach oben in die Berge fahren: Wer soll sich beschweren? Viele der Indios, die dort oben wohnen, haben ja nicht einmal Papiere, geschweige denn dokumentierte Kinder. Hier lässt sich nicht eingreifen, denn den Lehrern dann mit zusätzlichen Mitteln größere Reize zu schaffen, hieße in Wahrheit, sich an der lokalen Korruption zu beteiligen. Und so stößt man mit seinem westlichen Denken immer wieder an ganz nahe Grenzen, von denen man nur weiß, dass dahinter ganz andere Lösungen lauern müssen. Ganz persönlich war ich betroffen und geknickt von einem historisch bedeutsamen Umstand: Niemand hat mich auf die Schüchternheit, ja, Scheu der Menschen vorbereitet, die dort oben ihre Leben meistern, und die noch jetzt erkennen lässt, warum diese Menschen gegen die seinerzeitigen europäischen Kolonialherren – ihrerseits Produkt und Gewinner einer besonders brutalen Spielart des Kapitalismus – nie eine Chance hatten. Es gab eine Zeit, da habe ich mal regelmäßig mit Freunden in einem Weinberg an der Mosel gearbeitet, oberhalb von Bremm, am Calmont, dem steilsten Weinberg Europas. Der Berg war wirklich ziemlich steil – man hatte stets den Hintern desjenigen, der vor einem stand, in direkter Gesichtsnähe. Von daher habe ich gedacht, ich würde mich vielleicht ein kleines Bisschen mit Arbeit im Berg auskennen. Pustekuchen. Der Hochland-Kaffee, der hier wächst, gedeiht idealerweise zwischen 1.400 und 1.800 m Höhe – und damit war die Höhe „unserer“ Kooperative bei ca. 1.600 m noch nicht besonders hoch. Hier oben wächst eine besondere Art von Regenwald, kein Dschungel, sondern ein eher lichtes Gehölz – und das ist entscheidend. Die Kaffeebäume würden, wenn man sie ließe, auch wirklich zu Bäumen. Also schneidet man sie stets herunter auf Buschhöhe, um die Früchte, die Kaffee-Kirschen, in erreichbarer Höhe zu halten. Und sie wachsen am besten in einer Art Halbschatten – weshalb sie gerne unter den ausgedünnten Kronen dieser Regenwälder hier oben stehen. Man sieht den Pflanzen an, dass die Bauern sich liebevoll um sie kümmern. Es handelt sich dabei nicht um Farmen in dem Sinne, dass die Pflanzen geordnet in Reih und Glied ihrem Schicksal entlang darben. Jeder Busch steht an steilen, rutschigen Abhängen für sich, das Pflücken geschieht von Hand, die Säcke werden mit Maultieren die Hänge nach oben zu den Wegen gebracht. Das Wetter ist im Großen und Ganzen warm und naß oder kalt und naß – aber trocken nur selten. Und daher auch „Pustekuchen“: Niemand hat mich auf die Mühe vorbereitet, die es macht, glitschige Abhänge in den Bergen runterzurutschen, von verstreut wachsenden Bäumchen kleine Körbe von Kirschen sorgfältig abzusammeln, und dann mit Korb wieder hochzukraxeln, und alles direkt wieder, und wieder und wieder. Daher war es gut, dass wir ja nur Touristen waren – wir bekamen es nur gezeigt, und wurden dann wieder fortgeschickt, damit man mit der eigentlichen Arbeit weiterkam. Gut, so haben wir die erste Kooperative getroffen, mit der wir nun auch zusammenarbeiten: J’Amteletic in Majoval. Das Büro der Kooperative besteht aus einer Art Schuppen, so groß wie ein normales Wohnungszimmer, in dem es irrsinnigerweise eine Espresso-Maschine gibt (ein Geschenk von Klaus dem Röster, der es einfach nicht mehr ertragen konnte, dass er nirgends so schlechten Kaffee bekam wie dort, wo er entsteht, da die Bauern es sich nicht leisten konnten, ihre guten Kaffees nicht zu verkaufen – und sie außerdem beim Aufkochen ja den Unterschied gar nicht richtig schmeckten. Siehe da, es hat geklappt: Hier oben vorzüglicher, wunderbarer, runder Kaffee). Da uns die Bauern dann ihre Erfahrungen und Leben schilderten, wurde mir dabei klar: Die machen hier Deine Arbeit, die sind echt Tag für Tag dabei, Deine Welt zu ändern und zu bessern – und dabei kannst Du sie nicht alleine lassen. Das Büro steht auf Stelzen auf einem steilen Abhang direkt neben einer Gabelung von Bergstraßen, neben der Bude für den kleinen Gemüsehändler, der hier manchmal hochkommt. Da man, wenn man in den Bergen dieser Gegend wohnt und ins Tal will, dann eigentlich über diese Kreuzung muß, stehen hier auch die Militärs – und wenn es regnet, und das tut es oft, lassen sie auf Macho-Art ihrer Laune freien Lauf. Sowieso scheint es sich um eine Art militärischer Strafversetzung zu handeln, wenn man als mexikanischer Soldat auf diese Berge muß, sodaß also gute Laune an sich schon Haupt-Bestandteil des soldatischen Alltags ist, aber dazu kommt noch, dass es ja in diesem Gebiet sowieso eine Art Zapatista-Psychose gibt: Manche Indios und bestimmte Touristen machen aus ihrer Sympathie für die Berg-Rebellen derart wenig Hehl, dass es kleine Zapatista-Puppen auf Märkten gibt, überall die Z-Mützen und vieles mehr. Kein Wunder, dass die Soldaten hinter jedem Baum einen Feind sehen, und sich an den Straßensperren mit Inbrunst und ordentlicher Wut daran machen, jeden Wagen in seine Teile zu zerlegen. Und so stehen sie dann, in grauen Pelerinen mitten im Regen, stehen da wie Falschgeld mit ihren glänzenden Waffen, und machen sich und anderen im Dienst ferner Mächte das Leben schwer. Die Indio-Kinder, die im Büro der Kooperative für die paar Vorbeireisenden Kleinkram verkaufen, stehen dann von morgens bis abends neben den Männern in Grau – und das sind die Kinder, denen dann die Lehrer fehlen, die eventuell andere Inhalte dagegen stellen könnten, womit sich dann unkommentiert gewisse kindlich-seelische Perspektiven leicht vorstellen lassen. Hier wird konzentriert daran gearbeitet, dass sich vor allem nichts ändert. Und damit zurück zu unseren Indios: Da alle westlichen Verbände nur die Zusammenarbeit mit Gruppen akzeptieren (eine Frage der kaufmännischen Handlungs-Größenordnung), ist es für die Bergbauern schwer, sich als Gruppen zu organisieren. (Man denke nur an europäische Bauern-Zusammenschlüsse, die ja bekanntermaßen berühmt dafür sind, dass da alles reibungslos läuft.) Da oben ist dann aber wirklich der eine vom anderen abhängig, denn sowohl die benötigten Mengen wie auch die notwendige Qualität lassen sich nur als ganze Gruppe herstellen und sichern. Und da die westlichen Anforderungen ja nicht nur „fair trade“, sondern noch viel mehr „bio“ heißen, und die Maßstäbe nun mal für alle gelten (was ich realiter aus vielen Gründen für Irrsinn halte), mussten die Bergbauern über viele Jahre in Vorleistung gehen – Bodenpflege, Pflanzenpflege und vieles andere. Und das alles in großer Sorge, ob es die Mühe lohnt, ob das Zerwürfnis mit dem Coyoten wirklich eine so gute Idee ist, ob die Europäer sich an ihre Zusagen halten, - und vieles mehr. Und es ist weiß Gott nicht alles gut gegangen. Daneben entstehen auch noch alltägliche und wohlbekannte Kümmernisse: Ernteschäden durch Frost, Alltagsschäden durch behämmerte Geschäftsführer, die beispielsweise den VW-Käfer der Kommune betrunken auf der Rückkehr vom Bordell in den Graben trümmern, Untreue, und alles mögliche – und immer wieder Sorge, Sorge, Sorge. Die Darstellung und Diskussion, der ich mangels Sprache nur seelisch und von Außen folgen konnte, war sachlich, gut, und humorvoll. Es brach mir absolut das Herz, auf eine Weise, die mich wehr- und hilflos machte, als ich bemerkte, dass in einer dieser Familien, die – ich kann es nicht oft genug sagen – bei aller Arbeit oft einfach nicht wissen, wie der nächste Tag zu überleben ist, zwei schwer behinderte Kinder lebten. Wie, fragte meine innere Stimme, soll das denn gehen? Welcher liebe Gott verfolgt denn hier irgendwelche Strafphantasien? Haben die sich in einem früheren Leben irgendein besonderes Karma-Problem aufgebaut, sozusagen minus 100 Punkte? Ich weiß, wie schwer ein solches Leben mit Behinderten schon in westlichen Zusammenhängen ist, wo doch das Meiste irgendwie organisierbar ist – aber hier? Und wie lange soll das gehen? Und wo sind die Ärzte? Und überhaupt, was wird später aus den Kindern, wenn es Erwachsene sind? Das klingt alles sehr naiv – aber es waren genau diese Gefühle, die mich in dieser Situation einfach überrannten ... Es ist immer schwer, und leicht in Gefahr des Lächerlichen, wenn man versucht, Momente starker Rührung, starker Berührtheit darzustellen. Daher versuche ich es lieber nicht. Aber bei diesem Anblick war mir klar, dass das so nicht geht. Und dass wir im bescheidenen Rahmen unserer Cafes hier mitarbeiten müssen. Später war ich stolz und glücklich, festzustellen, dass das meinen Partnerinnen Gaby und Britta genauso ging, und dass Klaus der Röster Wege gefunden hat, wie wir das gemeinsam hinkriegen können.