Moxxa caffe Spitzenkaffee Bio Fair Fein

Kaffee, persönlich – Der Weg zurück

Wir fuhren dann schweigend und naß zur nächsten Kooperative, immer weiter noch höher. Hier drehten sich die Gespräche vor allem um die Zukunft – diese Bauern hatten vor einiger Zeit auf biologische Produktion umgestellt, waren aber von der Zertifizierung noch nicht ganz akzeptiert. Man muß sich das vorstellen: Bergbauern, die auf in ihren Augen zunächst bizarre Vorgaben aus völlig anderen Kulturkreisen reagieren, um ihre Produkte besser verkaufen zu können, und in Wahrheit ja einfach nur hoffen können, dass der Westler, der da vor ihnen sitzt, ihnen die Wahrheit sagt, und sich später auch dran erinnert und dran hält. Denn die Einbußen durch die Änderung der Arbeit – die sind sofort vorhanden, und der Coyote, schon an sich kein Menschenfreund, wird natürlich ein wenig unzugänglicher, auch und grade im Notfall, wenn er merkt, dass der ehedem so abhängige Indio sich anscheinend anders orientieren will. Man darf das Ganze nicht sentimental sehen. Es handelt sich um Bauern, die letzten Endes nicht anders denken als hiesige Bauern auch. Es geht nicht, auf Verhandlungen zu verzichten, es geht genauso wenig, Preise sehr weit zu überschreiten, wie andererseits das Handeln der Coyoten nach meinem Verständnis unmoralisch ist. Geht man zu weit über Grenzen, ergibt sich eine Art verächtlicher Abhängigkeit unter einem Gesichtspunkt, der sich in etwa so beschreiben lässt: Mit diesen Westlern kann man es ja machen, warten wir mal, was wir noch rausholen, wenn die das nächste Mal da sind. Bei aller Freundschaft unter den Beteiligten, die sich auch länger schon kennen, sind auch solche Dinge schon passiert. Und wenn man dann andererseits mitbekommt, dass der Grundverdienst einer Kooperative in einem überschaubaren Zeitraum tatsächlich etwas gestiegen ist, und davon nicht etwa eine dringend benötigte Maschine gekauft wird, sondern ein TV-Monitor mit Antenne – soll man dann tadeln und sagen: Das geht aber nicht? Nein. Teil des Problems ist, dass man nolens-volens Entwicklungen mit unterstützen muß, die man eigentlich ablehnt. Aber was heißt das auf diesem Hintergrund schon – eigentlich ablehnen? Denn siehe oben: Es gibt Zustände, da zählen Meinungen gar nicht. Auf dem Rückweg wollte uns einer der Projektleiter noch die Erfolge eines weiteren Dörfchens zeigen, in dem mittlerweile Nähmaschinen angeschafft worden waren. Es war schon dunkel, und als das Auto auf dem Feldweg vor dem Weilerlein hielt, wurden hier und da in dunklen Schatten Kerzen oder Taschenlampen angezündet, und neugierige, freundliche, aber auch vorsichtige Gesichter lugten um die Balken, wer da jetzt käme. Als dann klar war, dass der Projektleiter einige Wesen aus der anderen Welt mitgebracht hatte, traf man sich in der Werkstatt und zeigte Kleider, Anzüge, Hemden, von sehr einfachen bis zu großartigen Handarbeiten. Alles Dinge, welche sich die Menschen, die sie herstellten, nicht entfernt leisten konnten. Und mitten in der Nacht standen wir da, in einer rudimentären Werkstatt, im Schein matter Lampen, umtastet von indianischen Näherinnen, mit Blicken müder Kinder förmlich aufgefressen, – natürlich haben wir etwas gekauft, irgendwas, davon mehr als eins, und natürlich wusste ich, dass ich dann in Deutschland dann wieder mein Fett weg kriege, dass ich aber auch nirgends vorbei gehen kann, ohne etwas mitnehmen zu wollen, aber natürlich ist auch klar, dass, wer hier geht, ohne irgendwie lindernd eingreifen zu wollen, keine Seele hat, der ich nachts alleine begegnen wollte. Ja, und dann waren wir wieder unten, das schöne Tuxtla war immer noch da, und nächsten Tages, nachdem Dirk noch seinen Geburtstag mit einer einsamen Esels-Puppe auf einem genauso einsamen Tennisplatz feiern musste, indem er sie erbarmensfrei zerschlug, wobei er von Britta liebevoll und von einem befremdeten Diener des Hotels aufmerksam betrachtet wurde – nach all diesen Abenteuern wurden wir auf die Hochebene gebracht, zu dem verstürmten kalten Militär-Flughafen, und entschwebten wieder ans Meer. Am Meer regnete es dann wieder, nicht ein bisschen, sondern mal so ordentlich. Und von da ging es nach Frankfurt. Dort, immerhin, regnete es nicht.