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Kaffee, historisch

Im Grunde weiß niemand, wann und warum Kaffee zum ersten Mal angebaut wurde. Daß irgendwo auf der Savanne ein Busch seiner Wege wächst, der zunächst vor allem eine Bereicherung im Leben der örtlichen Steppenhamster darstellt, kann sich jeder vorstellen, der mit dem bizarren Prozeß der Schöpfung vertraut ist, aber den in Wirklichkeit bizarren Prozeß Ernte einer Kirsche Entkernen der Kirsche Nicht die Frucht nehmen, sondern Leichtes Angären und Schälen der trockenen Kerne Trocknen der Kerne, dann Rösten, sodaß sie schön braun werden und dann, wenn all das fertig ist, die Kerne mahlen und kochen? Das ist doch Blödsinn. Wer denkt sich denn so was aus? Also, wie wurde das entdeckt? Denn erst danach, wenn die Frucht so kultiviert wurde, dass ein nachvollziehbarer Zusammenhang zwischen Saat, Pflege und Ernte besteht, kann man ja von Anbau sprechen. Naja, und wie das entdeckt wurde, das weiß keiner, und daher können wir das Kapitel hier eigentlich schließen. Mein alter Onkel Heinz von Förster war da klüger. Er sagte, wenn man jemanden über etwas fragt, wovon er offenkundig keine Ahnung haben kann, wo er einfach nicht Zeuge gewesen sein kann – sagen wir mal: den Urknall, z.B., und der dann trotzdem eine Antwort gibt, dann gibt diese Antwort in Wahrheit keine Auskunft über den denkbaren Sachverhalt, sondern über den, der antwortet. Also, wenn ich hier jetzt etwas erzähle, kann sich ja jeder seinen Teil denken. Ein Teil zumindest scheint der zu sein, dass die Abendländer einfach nichts für sich stehen lassen können – nein, alles muß erklärt, belegt, hergeleitet und vor allem historisch begründet sein. Ob das andererseits einen Schutz vor Irrtümern bietet, dürfen wir nach der Geschichte des Abendlandes, der Morgenländer sowie überhaupt der Menschen irgendwie bezweifeln. Manche Autoren, unter ihnen der Schweizer Geistliche Pierre Etienne Louis Dumant, glauben schon in der Heiligen Schrift Hinweise darauf gefunden zu haben, dass Kaffee bereits in biblischer Zeit bekannt war und verwendet wurde. Eine denkbare Erklärung und immerhin amüsante Vorstellung ist, dass Mönche oder Bauern im Äthiopien des Mittelalters bei einem Buschbrand beobachteten, wie Ziegen, welche die dann gerösteten Früchte der Bäume fraßen, überhaupt nicht mehr zur Ruhe kamen. Amüsant finde ich die Vorstellung deswegen, weil – wer je Ziegen beobachtet hat – eine Vorstellung davon bekommen kann, wie viel Zeit man haben muß, um Ermüdungsmangel bei Ziegen festzustellen. Und wenn man dann meint, man hätte da eine Kausalität festgestellt, muß man als ordentlicher Mönch ja auch hingehen und den nächsten Buschbrand anzetteln, um mal zu gucken, was die Ziegen machen, und ob es wieder dasselbe ist. Persönlich glaube ich eher an die „Onkel-Otto-Methode“ – man schmeißt etwas ins Feuer und gibt das danach mal dem Verwandten, den man am wenigsten leiden kann, eben Onkel Otto. Es ist verbürgt, dass zu allen Zeiten Bauern nach diesem Verfahren arbeiteten, das letzte Mal in unseren Breiten die Schwarzbrenner nach dem zweiten Weltkrieg (das die Zahl der Kriegsblinden sachlich und menschlich mit erklärt). Es kann also gut sein, daß die ersten Kulturen aus dem Arabien des siebten Jahrhunderts stammen, nicht weit vom Roten Meer. Bereits im 11. Jahrhundert wurden erste Kaffeepflänzchen im Jemen auf künstlich bewässerten Küstenhängen kultiviert, bald fand der Anbau auf der ganzen arabischen Halbinsel statt. Nachdem diese zu Beginn des 16. Jahrhunderts von den Türken erobert wurde, hielt der Kaffee am osmanischen Hof seinen Einzug und verbreitete sich in alle beherrschten Gebiete, da der Islam ja Alkoholgenuss nicht gestattet und Kaffee eine Alternative bot. Islamische Kaffeeräusche sind historisch dennoch weniger belegt ... Die Vermutung liegt nahe und ist daher beliebt, daß der Name von der arabischen Provinz Kaffa stammt, aus der die Kaffeepflanze nach 1500 nach Mekka gelangte und sich zu einem typischen Getränk der Araber entwickelte. In den über 70 Sprachen Äthiopiens heißt Kaffee bunna (Amharisch), bun (Tigrigna), buna (Oromifa), bona (Kefficho), kawa (Guragigna) usw. Ob es sich hierbei, wie behauptet, um Ableitungen aus den Namen des früheren Kaiserreichs Kaffa und Buno handelt, sei dahingestellt, liegt aber erst einmal nahe. Das andere liegt aber auch nahe, dass nämlich das Wort "Qahwa", eine Art arabischer Oberbegriff für aus Pflanzen gewonnen Getränke, für den Namen Pate stand. Dafür spricht, dass der Kaffee zunächst als arabischer Wein bekannt wurde. Das muß man sich mal vorstellen: Arabischer Wein. Wie hat denn der Wein damals geschmeckt? Und wie der Kaffee? Die Araber jener Zeit waren vor allem Händler. Es gibt natürlich Historiker, die darauf verweisen, was für großartige Kultur-Produkte der Islam jener Zeit hervorbrachte, und die auch allemal Recht haben. Und wir könnten jetzt hier länger überlegen, ob es vielleicht irgendwelche Zusammenhänge zwischen innerer Kriegsbereitschaft und weitreichender kultureller Wirksamkeit gibt, die vielleicht einige Stichworte zum Thema „Hollywood“ liefern usw, aber auch dazu, dass zwischen der Familie Bush und der Familie Bin Laden mehr strukturelle Gleichheiten bestehen, als ihnen lieb ist. Aber das wäre eine völlige und nicht zu verantwortende Abschweifung. Denn, was den Kaffee angeht, wurde nach 1540 erst einmal Handel getrieben. Das heißt aber auch, dass zu dieser Zeit schon mehr als nur hier und da ein Strauch herumstand, dass also Mönche und Ziegen ihre Geschichts-Arbeit schon getan hatten, und der ordentliche Bauer jeden Morgen sein Tagwerk begann. Venezianische Kaufleute sollen einige Säcke aus dem jemenitischen Mocha nach Italien gebracht habe. Womit dann auch klar wird, warum diese dunkle Droge oft auch erst „Mokka“ hieß. Der Handel lief also wahrscheinlich über den Jemen nach Venedig. Na klar, wohin denn auch sonst. In Venedig, sagt man, öffnete 1645 das erste europäische Kaffeehaus. Eine Mokkakeria? Kurze Zeit später wurde Kaffee auch in England, Frankreich und Holland angeboten, in Deutschland erst 1673. Dann beginnt die Geschichte etwas kriegerischer zu werden. Die Türken verloren 1683 vor Wien eine entscheidende Schlacht und flohen, wobei 300 Säcke ungerösteter Kaffee zurück blieben. Dieser Kaffee wurde Franz Georg Kolschitzky überlassen, der sich während der Belagerung verdient gemacht hatte. Er eröffnete sein weltweit bekanntes Wiener Kaffeehaus – und seitdem bilden Wien und Kaffee eine kulturelle Einheit. Auch hier ließen sich zum Thema „Niederlage“ einige wunderbare Gedanken finden – nicht nur, dass sich ja grade in Niederlagen der Charakter bildet, sondern auch – was nun dieses Spezifische angeht –, dass man ja bei flüchtigem Überblick über unser Thema den Eindruck haben muß, dass grade diese „Niederlage“ zum Fruchtbarsten gehört, was das Abendland erleben durfte. Die Niederlage liegt eben im Auge des Betrachters. Daß sich – wieder zurück zum Thema – in England der Kaffee nicht durchsetzen konnte, ist einer radikal weiblichen Gemeinheit zu verdanken, welche interessante Einblicke in die Seele der spröden Britinnen erlaubt. Ursprünglich öffneten auch dort wie im übrigen Europa Ende des 17. Jahrhunderts eine Reihe von Kaffeehäusern ihre Pforten. Als die Männer aber anfingen, ihre Abende in den neuen Etablissements zu verbringen, in denen Frauen praktisch ausgeschlossen waren, verbreiteten einige Zeitschriften die Ansicht, der Kaffee schwäche die Manneskraft. Offenbar war diese Behauptung erfolgreich. Die Männer kehrten sehr bald zum Tee zurück, den die Engländer relativ preiswert aus ihren Kolonien bezogen. Das ist interessant, oder? Da hat doch irgendwer irgendwem ganz intelligent gezeigt, wo der Hammer hängt … Im übrigen Europa setzte sich der Kaffee aber doch durch – anscheinend hatte man hier mit Sex weniger am Hut, oder reagierte weniger panisch auf dessen vorstellbare Abwesenheit. Und damit begannen die beiden wirtschaftlichen Grundtriebkräfte Neid und Eifersucht, in der Bibel auch als Todsünden bezeichnet, ihre Wirksamkeit zu entfalten, die ja alles Koffein weit überwiegt: Wegen des rasch steigenden Bedarfs begannen die Holländer mit dem Kaffeeanbau in ihren Kolonien. 1658 gelang es ihnen auf Ceylon, mittels keimfähiger Bohnen die ersten Plantagen anzulegen. Nachdem die Pflanzen jedoch von einer Pilzerkrankung befallen wurden und abstarben, wurden weitere Plantagen auf Java und Sumatra angelegt. Nach 1700 brachten französische Pflanzer den ersten Kaffeestrauch auf die Insel Martinique in der Karibik, von wo aus sich der Anbau über Mittel- und Südamerika ausbreitete (damals hätte man über ökologische Katastrophen streiten können …) Unter tätiger Mithilfe der Europäer und ihrer dehnungsfähigen Moralbegriffe verknüpften sich so die Geschicke des Kaffee mit denen der Kolonien – und wurden so eine Zeitlang gleichbedeutend mit Sklavenhandel, Baumwollplantagen, Wirtschaftskolonialismus und vielen anderen schönen Dingen, ohne welche die modernen Menschen seinerzeit nicht auskamen. Denn die Nachfrage nach Kaffee aus den Ländern Europas war derart groß, dass von den Kolonialmächten in allen in Frage kommenden subtropischen Regionen Kaffeeplantagen angelegt wurden. Der Kaffee, das darf man nicht unterschätzen, war eine der tragenden Säulen der Kalkulation aller Kolonialphantasien, und stellt daher bis heute – auf diesem Hintergrund wenig überraschend – eine der letzten Enklaven eines echten Gründerzeit-Kapitalismus dar. Daher gibt es sowenig Informationen darüber. Bis etwa 1750 blieb der Kaffeegenuss den oberen Bevölkerungsschichten vorbehalten, erst infolge der Industrialisierung konnten die Herstellungskosten so weit gesenkt werden, dass das Getränk Mitte des 19. Jahrhunderts - wenn auch immer noch zu einem recht hohen Preis - dem Bürgertum zugänglich wurde. Ein günstiges und tagtäglich konsumiertes Getränk wurde der Bohnenkaffee jedoch erst ziemlich kürzlich, nämlich nach den 50er Jahren.